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Gefahr durch Hautkrebs

 

Wie gefährlich ist das maligne Melanom ?

Am malignen Melanom der Haut versterben bei weitem mehr Menschen als an allen anderen Hauttumoren zusammen. Eine Analyse der Daten der offiziellen Todesursachenstatistik zeigte für die alten Bundesländer einen Anstieg der Fallzahlen von ca. 900 pro Jahr zu Beginn der 70er Jahre auf mehr als 1.600 Fälle zu Beginn der 90er Jahre. Es zeigte sich ebenfalls ein deutlicher Anstieg der altersstandardisierten Mortalitätsrate für Männer von etwa 1,7 zu Beginn der 70er Jahre auf 2,6 Fälle pro 100.000 Einwohner und Jahr zu Beginn der 90er Jahre; für die Frauen wurden 1,4 Fälle zu Beginn der 70er und 1,7 Fälle zu Beginn der 90er Jahre ermittelt. Der Anstieg der Mortalitätsraten und ihre absolute Höhe sind deutlich größer bei Männern als bei Frauen. Dieselbe Beobachtung wurde auch in den 70er und 80er Jahren in Ostdeutschland, der ehemaligen DDR, gemacht.

Die Mortalitätsraten in der Schweiz und in Skandinavien lagen etwas höher als in Deutschland. Die Mortalität für das maligne Melanom zeigte ebenfalls einen eindeutigen Anstieg der Raten in den USA. Er betrug pro Jahr etwa 2 %. Kohortenanalysen zeigen hier ein Ende des Anstieges bei Männern, die seit den frühen 50er Jahren geboren, und bei Frauen, die seit den 30er Jahren geboren wurden. Auch in Australien zeigte sich ein deutlicher Anstieg der Mortalitätsraten bis Mitte der 80er Jahre, ebenfalls auf einem höheren Niveau als in Europa und den USA. Der Anstieg war im Durchschnitt mit 2,5 % pro Jahr bei Männern deutlich größer als bei Frauen mit 1,1 % pro Jahr. Seit 1985 wird in Australien in der Mortalität ein Plateau beobachtet.

 

Klinische Epidemiologie

Die vorliegenden Daten zur klinischen Epidemiologie des malignen Melanoms stammen aus dem Zentralregister Maligens Melanom der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), an dem sich mehr als 60 Kliniken aus dem deutschsprachigen Raum beteiligen. Hier wurden von 1983 bis 2000 mehr als 50.000 maligne Melanome registriert.

 

Tumordicke

Die Tumordicke stellt den wichtigsten prognostischen Faktor primärer Melanome dar. Insofern ist die Tumordicke zum Zeitpunkt der Erstdiagnose maligner Melanome das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Früherkennung. In den alten Bundesländern war in den 80er Jahren eine deutliche Abnahme der Tumordicke erkennbar. Der Durchschnitt der Tumordicke sank von ca. 2 mm auf unter 1,5 mm ab und der Median von ca. 1,3 mm auf 0,8 mm. Eine Analyse der Entwicklung von 1990 bis 1995 zeigte, daß in diesem Zeitraum keine erkennbare Abnahme der Tumordicke mehr zu verzeichnen war. In den neuen Bundesländern war ein ähnlicher Trend bei insgesamt größeren Tumordicken zu verzeichnen. Hier setzte sich die Abnahme der Tumordicke bis in die 90er Jahre fort. Allerdings lagen auch hier die Werte Mitte der 90er Jahre noch deutlich oberhalb derer in den alten Bundesländern.

Eine deutliche Abnahme der Tumordicken bei der ersten Diagnose war auch in anderen Ländern zu verzeichnen. So nahm die Tumordicke zwischen 1960 und 1990 in Australien von einem Median von 2,5 mm auf 1,1 mm ab und in Alabahma, USA von 3,3 auf 1,4 mm. Auch in anderen europäischen Ländern wie in Großbritannien, in Italien und in Skandinavien nahm die Tumordicke bei erster Diagnose ab. Diese Entwicklung wurde so gedeutet, daß die schnelle Zunahme der Inzidenz maligner Melanome einer Form nicht metastasierender Melanome zuzuschreiben ist. Es handelt sich dabei um eine tatsächliche Zunahme der Inzidenz. Melanome werden aber zunehmend vor der Entwicklung einer Potenz zur Metastasierung erkannt. Die Autoren dieser Hypothese stützen sich vornehmlich auf die Daten aus Australien. Hier wurden in der Tat die niedrigsten Tumordicken bei der ersten Diagnose gefunden. In Westaustralien nahm die mediane Tumordicke im Zeitraum von 1975/1976 bis 1980/1981 von 1,29 mm auf 0,77 mm ab. Dieser Wert wurde in Deutschland in den alten Bundesländern erst in den 90er Jahren erreicht.

 

Tumorausbreitung und prognostische Faktoren

90 % der Männer und 93 % der Frauen kamen mit einem primären malignen Melanom ohne erkennbare Metastasierung zur ersten Diagnose. Bei 8 % der Männer und 6 % der Frauen lag eine regionäre Metastasierung vor, bei 1,6 % der Männer und bei 1,1 % der Frauen fand sich bereits Fernmetastasierung (Tabelle 1). Vergleichbare Auswertungen des Stadiums maligner Melanome bei der ersten Diagnose an größeren Kollektiven in anderen Ländern finden sich leider kaum. Allerdings werden in westlichen Industrieländern mit weißen Bevölkerungen Melanome überwiegend im Stadium des Primärtumors allein diagnostiziert, deshalb wurde eine Vielzahl von Untersuchungen zu Prognosefaktoren bei primären malignen Melanomen durchgeführt. Eine Untersuchung an mehr als 5.000 Patienten aus 4 deutschen Hautkliniken zeigte, daß neben der Tumordicke nach Breslow der Invasionslevel nach Clark, das Geschlecht, die anatomische Lokalisation, der klinisch-histologische Subtyp und das Alter unabhängige signifikante Prognosefaktoren waren (Tabelle 2).

Der wichtigste prognostische Faktor ist dabei die Tumordicke. Mit zunehmender Tumordicke bis zu einer Größenordnung von 6 mm nimmt das Risiko für die Melanomentwicklung nahezu linear zu. Der Invasionslevel nach Clark hat nur für die Einordnung dünner Tumoren bei der Unterscheidung von Invasionslevel II und III eine Bedeutung, die weitere Unterteilung nach Invasionslevel III, IV, V ist bei vorhandener Einteilung nach der Tumordicke ohne Relevanz. Das Geschlecht ist ein signifikanter Prognosefaktor mit einer deutlich besseren Prognose für Frauen als für Männer bei sonst vergleichbaren weiteren Prognosefaktoren. Die anatomische Lokalisation ist ebenfalls ein unabhängiger, hoch signifikanter prognostischer Faktor, wobei hier die klarsten Unterschiede gefunden wurden, sofern nach Lokalisationen mit hohem und niedrigem Metastasierungsrisiko unterschieden wurde (dichotome Einteilung). Der klinisch-histologische Subtyp erwies sich als prognostischer Faktor auf einem etwas niedrigerem Signifikanzniveau. Das Alter ging ebenfalls als unabhängiger Faktor in die Prognoseschätzung ein und zeigte eine ungünstigere Prognose für ältere Personen. Aus den genannten Faktoren kann im Einzelfall eine individuelle Prognoseschätzung errechnet werden.

Tabelle 1: Tumorausbreitung (klinisches Stadium) bei der ersten Diagnose der malignen Melanome

  Männer Frauen
Primärtumor 90,3 % 93,2 %
Satelliten- und Intransit-Metastasen 3,1 % 3,0 %
Regionäre. Lymphknoten-Metastasen 5,1 % 2,7 %
Fernmetastasen 1,6 % 1,1 %


Tabelle 2: Gesicherte prognostische Faktoren bei primären malignen Melanomen nach einer Analyse der Krankheitsverläufe von 5093 Patienten mit primären Melanomen.

Prognostischer Faktor p-Wert Hazard - Rate 95% - Konfidenz - intervall in [ ]
Tumordicke nach Breslow      
> 1 mm vs. < 1,00 mm < 0,0001 2,6 [1,8; 3,8]
> 2 mm vs. 1,01 mm - 2,00 mm < 0,0001 2,7 [2,2; 3,4]
> 4 mm vs. 2,01 mm - 4,00 mm < 0,0001 1,6 [1,4; 2,0]
Invasionslevel nach Clark      
> III vs. II < 0,0001 4,0 [2,0; 8,1]
Geschlechtr      
männlich vs. weiblich < 0,0001 1,5 [1,3; 1,8]
Anatomische Lokalisation      
TANS vs. non-TANS* < 0,0001 1,6 [1,4; 1,8]
Klinisch-histologischer Subtyp**      
ALM vs. SSM/LMM < 0,01 1,7 [1,2; 2,3]
NM vs. SSM/LMM < 0,05 1,2 [1,0; 1,4]
Alter***      
> 60 Jahre vs. < 60 Jahre < 0,05 1,2 [1,0; 1,4]

 

TANS = Thorax, Oberarme, Hals und behaarter Kopf (Thorax, upper arm, neck, scalp)
** SSM = Superfiziell spreitendes Melanom; NM = Noduläres Melanom; LMM = Lentigo-maligna-Melanom; ALM = Akrolentiginöses Melanom.

*** Klassifikation des Alters: < 30; 31 - 60; > 60 Jahre.





 







 

 
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